Der rote Faden in eurer medizinischen Promotion

Heute möchte ich ein paar Worte zu eurem roten Faden in der Promotion widmen, da dies eines meiner Hauptthemen ist, die ich in den 1:1 Coachings mit euch bearbeite. Extrem häufig werde ich mit dem folgenden, hier beispielhaft dargestellten Fall eines/r Coachees konfrontiert:

„Ich habe meine Promotion schon vor vielen Jahren begonnen und dann erst einmal die Hauptarbeit geleistet, nämlich meine Daten erhoben. Seitdem hatte ich nur noch wenig Zeit daran zu arbeiten und will jetzt endlich mal schreiben. Ich habe aber überhaupt keinen Plan davon, wie ich hier nun einen roten Faden hineinbekommen soll. Abgesehen davon fehlt mir leider noch die Literaturrecherche für die Einleitung“

Leider ist das allgemeine Denken immer noch so, dass die Datenerhebung als der wichtigste und damit zu priorisierende Teil der medizinischen Doktorarbeit angesehen wird.

Leider ist dem nicht so, auch wenn die Daten natürlich das Kernstück euerer Dissertation sind, gar keine Frage. Und auch die Betreuer*innen, sofern sie vor allem an ihrem eigenen Benefit interessiert sind, werden euch das so sagen. Warum ? Weil viele mit den Daten gerne auch schon einmal unabhängig von euch arbeiten und kleinere Publikationen veröffentlichen etc. Den Betreuer*innen ist der Rest (sprich ob ihr eure Monographie schreibt) dann am Ende herzlich egal, solange sie ihre Daten haben, mit denen sie arbeiten können. Damit ist euch aber nicht geholfen, im Genenteil, ihr werdet merken, dass die Unterstützung von Betreuer*innen Seite teilweise danach merklich nachlässt.

Und da steht ihr nun mit euren Daten, im Irrgarten der Promotion, ohne Plan, wie es weitergehen kann.

Der rote Faden beginnt weit vor der Datenerhebung, nämlich bereits mit der Studienplanung, im Sinne der allgemeinen Literaturrecherche!

Wenn ihr derzeit erst in das Thema Promotion einsteigt habt ihr es etwas leichter, direkt die Fehler zu vermeiden, die viele aus Unwissenheit begangen haben. Dabei hilft euch der Online-Kurs „Promovieren leicht gemacht“ sehr. Wenn ihr nun aber bereits die Daten erhoben habt, könnt ihr noch genauso gut zurück zum Anfang kehren und endlich euren roten Faden wiederfinden. Egal ob Daten bereits erhoben oder nicht, das erste Mal an den roten Faden wird während der allgemeinen Literaturrecherche für euer Promotionsthema gedacht. Im Optimalfall stellt diese den Beginn eurer Promotion dar. Warum, erkläre ich euch im Online-Kurs und in einem anderen Blogbeitrag. Bevor ihr überhaupt mit der Literaturrecherche loslegen könnt, ist es wichtig, sich zu überlegen, worauf wir mit unserer Promotion hinaus wollen.

Wer das Ziel nicht vor Augen hat, braucht nicht loszulaufen!

Die Literaturrecherche basiert darauf, dass ihr die gesamte Literatur zu einem oder mehreren Themenschwerpunkten, die ihr in euerer Promotion behandelt, überblicken könnt. Damit ist gemeint, dass ihr euch zunächst einmal eure, hoffentlich klar definierte, Studienhypothese vor Augen führt. Wenn diese noch nicht existiert, solltet ihr diese schleunigst mit eurer Betreuung festlegen, weil ihr sonst im Dunkeln tappt und sich der rote Faden schwieriger gestaltet. Habt ihr also eure Hypothese vor Augen, beginnt genau hier der rote Faden:

Die Literaturrecherche sollte so geplant werden, dass man von allgemeinen Informationen zu der zu untersuchenden Krankheit oder anderen Untersuchungsgegenständen (Was ist bereits bekannt?), über die bereits existierenden, eurem Promotionsthema verwandten, Studien, bis hin zu der Begründung eurer Forschungshypothese (Hier gibt es in der existierenden Literatur die Lücke, die ihr mit eurem Thema füllen möchtet) geleitet wird.

Hypothese –> Begründet durch existierende Literatur –> Beweis fehlender Literatur –> Eure Arbeit

Eigentlich ist das die Hauptarbeit für das Finden deines roten Fadens. Der rote Faden wird also maßgeblich durch eine gute Planung deiner Literaturrecherche für die Einleitung beeinflusst. Um dich besser auf die Umsetzung deiner Literaturrecherche vorzubereiten, kreieren wir in den 1:1 Sessions spätestens jetzt zusammen euer perfekt formatiertes Worddokument und planen die Einleitung durch Überschriften. Wir überlegen gemeinsam, wie diese aufgebaut sein könnte. Das ist natürlich etwas themenabhängig aber viele Einleitungen folgen eigentlich immer dem bereits oben angeschnittenen Thema: Vom Allgemeinen ins Detail!

Wie könnte ein roter Faden in der Einleitung aussehen?

Dazu müssen wir uns den Aufbau eurer Promotion vor Augen führen. Eine Promotion beginnt immer mit der Einleitung. Diese bestimmt maßgeblich den roten Faden. Im typischen Fall wird in einer medizinischen Promotion häufig ein Krankheitsbild untersucht. Hierbei kann der Forschungsansatz an jeglicher Stellen liegen (z.B. neue genetische Marker, Diagnostiktools, klinische Einteilungsmöglichkeiten oder neuartige Therapien). Der allgemeine Aufbau folgt unabhängig von eurem Forschungsthema in der Regel in Monographien (auf Publikationen gehe ich in einem gesonderten Blogbeitrag ein) immer einem ähnlichen Aufbau.

  1. Kurze allgemeine Einleitung
  2. Epidemiologische Daten
  3. Pathophysiologie
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Therapie
  7. Aktuell vorhandene Forschungsarbeiten zu eurem Forschungsschwerpunkt und die entsprechende Forschungslücke
  8. Eure Forschungsfrage/Hypothese

Je nachdem, wo euer Forschungsschwerpunkt liegt, können sich hier auch verschiedene Krankheitsbilder vermischen. Ich zum Beispiel habe zu Depressionen als Komorbidität bei Rheuma promoviert. Hier musste also der Bogen zwischen diesen zwei Krankheitsbildern geschlagen werden, wobei in der oben genannten Ausführlichkeit die Erkrankung Rheumatoide Arthritis aufgeführt und über den Sonderpunkt Komorbiditäten der Bogen hin zur Depression geschlagen wurde. .

Das schwerste am Roten Faden sind die Überleitungen

Oftmals gestaltet es sich etwas schwierig den Bogen zum eigenen Forschungsthema zu schlagen, es ist jedoch zumeist sehr gut möglich. In meinen 1:1 Sessions schaffen wir es regelhaft hier elegante Überleitungen zu finden. Teilweise kann man das schaffen, indem man etwas von der Standardstruktur abweicht und den entscheidenden Punkt an das Ende stellt, um von hier aus direkt auf die dazu existierende und eben nicht existierende Literatur überzuleiten. Das sollte aber wiederum in einem begründeten Kontext geschehen. Hierfür ist manchmal etwas Kreativität gefragt.

Der rote Faden endet nicht bei der Einleitung, sondern zieht sich bis zur Zusammenfassung durch.

Natürlich versteht es sich von selbst, dass jeder Abschnitt in euerer Promotion zwar für sich steht, aber über den roten Faden natürlich miteinander verbunden ist. Nach der Einleitung folgt der Methodikteil, der auch einem immer ähnlichen Aufbau unterliegt. Hier wird in klinischen Studien zunächst meist das Patient*innenkollektiv beschrieben, wie die allgemeinen Voraussetzungen waren, Ein- und Ausschlusskriterien dargestellt und dann zur eigentlichen Forschung (z.B. Versuchsaufbau, diagnostische Methode etc. ) übergeleitet. Mehr dazulernt ihr in meinem Online-Kurs.

Der Ergebnisteil strukturiert sich auch wieder ähnlich: Vom Allgemeinen (Basischarakteristika etc.) bis ins Detail. Hierbei ist natürlich aber wichtig, dass ihr eure Fragestellungen entsprechend nach Priorität beantwortet. Hier sind elegante Überleitungen nicht ganz so entscheidend wie klare Überschriften, die erklären, was der folgende Abschnitt beinhaltet.

Während der Diskussion wird der rote Faden euerer Einleitung erneut aufgegriffen. Hier steht wieder eine kurze Übersicht (Was sollte mit dieser Arbeit erforscht werden und aus welchem Grund?) am Beginn und dann seid ihr für den Aufbau relativ frei. Ich persönlich gestalte den Diskussionsteil gerne so, dass ich jedes wichtige Ergebnis der eigenen Arbeit jeweils gesondert mit der bereits existierenden Literatur diskutiere. So kann man die Ergebnisse direkt im Zusammenhang einordnen. Viele gestalten die Diskussion aber auch nach dem Schema, zuerst all die eigenen Forschungsergebnisse kurz darzustellen um dann den Abschnitt „Diskussion zur bestehenden Literatur“ folgen zu lassen.

Wichtig ist auch hier, dass ihr euch nicht verliert, sondern immer die Beantwortung eurer Forschungsfrage vor Augen habt, denn nur darauf kommt es an. Die Limitationen hebe ich mir immer ganz für den Schluss auf, bevor dann die Zusammenfassung der Arbeit in einem gesonderten Punkt folgt.

Ich hoffe  dieser Beitrag konnte euch weiterhelfen. 

Eure Desiree

Wenn du dir auch möglichst viel Zeit sparen möchtest, indem du unnötige Umwege und Rückschläge vermeidest, dann empfehle ich dir direkt mit dem Online-Kurs „Step-by-Step zum Dr. med. – Promovieren leicht gemacht“ zu starten. Eine ausführliche Beschreibung der Kurses erhältst du hier. Dieser Kurs ist nicht nur für die Promotion in der Humanmedizin, sondern auch für medizinische Diplomarbeiten, Promotionen in der Zahn- und Veterinärmedizin, sowie Masterarbeiten in der Medizin und Promotionen der Physiotherapie geeignet. 

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